Gefühlsturbulenzen – Leseprobe

Leseprobe zu "Gefühlsturbulenzen"Heute ist der dritte Tag der Tussiwoche :). Nachdem Ihr hier ja auch die Rezension zu Gefühlsturbulenzen lesen konntet, dachte ich mir, ich verwöhne Euch heute einmal mit einer kleinen Leseprobe aus diesem Buch. Dann könnt Ihr Euch einmal mit dem lockeren Schreibstil von Sylvia und Sigrid vertraut machen. Morgen könnt Ihr Euch dann über eine „rosige“ Rezension einer Triologie freuen.

Aber nun wünsche ich Euch viel Spaß:

Leseprobe:

Gefühlsturbulenzen

Der Dienstagmorgen war gekommen.
Meine Haare passen sich der Situation an, dachte Sarah, als sie in den Spiegel sah. Es war einer ihrer bad hair days. Kurzerhand machte sie den Flugknoten, so nannte sie ihre Arbeitsfrisur.
Sie frühstückte nur wenig – keinen Appetit. Der Ausblick auf den Tag war sowieso minder verlockend.
»Wenn du schon kaum was isst, dann trink wenigstens noch einen Kaffee. Du sagst doch immer, ohne Kaffee kannst du nicht.«
»Stimmt. Aber sonst muss ich dauernd zur Toilette.«
»So wie ich dich kenne, musst du sowieso. Ob eine Tasse oder zwei …!«, kicherte Maxi frech.
»Du bist vielleicht gemein zu mir!«

Kurz danach saß sie mit Maxi im Auto nach Berlin.
»Scheißtag!«, meinte Sarah.
»Weißt du doch gar nicht!«
»Ach …«, sie atmete tief aus, »ich bin froh, wenn ich das hinter mir habe!«
„Ich auch! Mach dich einfach mal locker, wir sind schließlich zu zweit!«
»Sag mal, kennst du diese Jessi eigentlich näher?« Sarah hatte immer noch das Bild dieser Schönheit vor Augen.
»Ja klar. Aber wie kommst du denn jetzt auf Jessi?«
»Äh … ich meine nur …!«
Maxi brach in Lachen aus. »Es ist so herrlich, wenn du verlegen wirst! Du magst Tom, nicht wahr?«
»Naja, also … schon …, er hat eine nette Art an sich.«
Maxi lachte sich schlapp. »Sag doch gleich, du hast dich in Mr. Testosteron verguckt.«
»Quatsch!«, entrüstete sich Sarah nur wenig überzeugend, »ich bin für was Neues überhaupt nicht offen.«
»Nein, natürlich nicht!« Maxis Stimme troff vor Spott.
»Aber damit du deine Neugier befriedigt bekommst: Jessi war die Erste, die mich hier in meiner neuen Umgebung unter die Fittiche genommen hat. Sie hat mir viele Dinge vor Ort gezeigt, die Connections der Leute untereinander erklärt – und du ahnst nicht, wie wertvoll das ist! Ich hab sie im Studio kennengelernt, als ich mich seinerzeit für die Sportmöglichkeiten interessierte.«
»Habt ihr noch Kontakt?«
»Haben wir. Ich mag sie super gerne. Warum auch soll ich eine Freundschaft aufgeben, nur weil Tom Animositäten hat? Das Aus ihrer Beziehung hat schließlich nichts mit Jessi und mir zu tun.«
»Wie lange ist die Trennung denn her?«
»Letzten Herbst! Aber nun zu dir, Sweetie! In einer Stunde sind wir da. Ich organisier jetzt zuerst einen Schlüsseldienst. Das ist ja der Vorteil von diesen individuellen Altbauwohnungen. Es gibt noch keine Schließanlagen. Ich ruf meinen Papa an, der kennt sicher jemanden.«
Maxi war ganz in ihrem Organisationselement und nach weniger als einer Viertelstunde gab es eine Erfolgsmeldung.
Sarah war einem Herzinfarkt nahe, als sie in ihre Straße einbogen. Aber Entwarnung. Das Auto von Patrick war nicht zu entdecken und sie hatten das Glück eines Parkplatzes direkt vor dem Haus.
»Die schönsten Plätze auf der Welt sind Parkplätze!«, jubelte sie, als sie mit Schwung in die einzige freie Lücke fuhr.

Sarah stürmte direkt in die Küche und setzte den Kaffeeautomaten in Gang.
»Guck mal, so ein Siff um die Maschine! Mann allein zu Haus!«
»Das Ferkel kommt ja ab jetzt nicht mehr hier rein!«, meinte Maxi resolut.
Dann begannen sie zügig mit dem Zusammensuchen von Patricks Habseligkeiten.
»Hast du ein paar Tüten?«, fragte Maxi, »das ist effizienter.«
»Nee, nur Mülltüten!«
»Perfekt!«
Es dauerte nicht lange, da waren Patricks Jeans, T-Shirts und Pullover verstaut.
In der Zwischenzeit war der Schlüsseldienst eingetroffen und werkelte bereits.
Sarah ging ins Wohnzimmer. Der zerborstene Spiegel hing nach wie vor an der Wand, lediglich die Scherben hatte er notgedrungen beseitigt.
Patricks kleine Lieblingsteekanne stand auf dem Tisch.
»Maxi!«, rief Sarah. »Komm mal bitte, aber mit Karton! Seine Lieblings-Teekanne muss noch mit. Ohne die kann er nicht leben.«
Maxi kam energisch um die Ecke – ohne Karton.
»Wo ist das Teil?«
»Steht da am Tisch.«
Maxi nahm das kleine Gefäß hoch. »Bäh, ist die hässlich!« Und schon knallte die Kanne auf den Fliesenboden.
»Oooh, tot!« Maxi machte ein betroffenes Gesicht. »Das tut mir jetzt echt leid! Irgendwie ist sie mir aus den Händen gerutscht! Die war aber auch schmierig! Ein weiterer Verlust in Patricks jungem Leben.«
Sarah stand erschrocken dabei, doch in diesem Augenblick war der Herr über die Schlösser fertig und rief sie zur Wohnungstür. Er überreichte ihr die neuen Schlüssel und Sarah zahlte.
Das Geld hätte ich lieber in einem Luxusrestaurant bei einem Sieben-Gänge-Menü verfressen, dachte sie, gab dem erfreuten Mann trotzdem ein fürstliches Trinkgeld für sein schnelles Erscheinen.
Währenddessen packte Maxi schon eifrig die Tüten in den Hausflur.
»Das Treppenhaus sieht jetzt richtig wohnlich aus!«, meinte sie amüsiert.
»Ich hol noch mal eben meine Wäsche aus dem Auto, eine Maschine kann nebenbei laufen.«
Sarah schlug die Autotür zu, als sie Kira am Fenster gegenüber erblickte. Ausgerechnet! Und dann sah sie, wie Kira telefonierte.
Alarmiert spurtete sie zurück.
»Maxi! Ich hab Kira gerade erspäht, mit Handy am Ohr! Ich befürchte, sie informiert Patrick und der steht in spätestens zwanzig Minuten hier auf der Matte!«
»Okay! Was soll noch raus?«
»Der Schuhschrank! Den hat er mitgebracht. Mehr hat er zur Einrichtung nicht beigetragen. Zu seiner Ehrenrettung muss ich sagen, die Wohnung war ja schon eingerichtet. Trotzdem! Beeilung!«
Die Schuhe flogen in den Flur und kurz danach asteten sie das Teil, Maxi zog vorne, Sarah schob hinten, Richtung Ausgang.
»Ein paar Gläser gehören ihm auch«, fiel Sarah ein. Sie verschwand in der Küche, aber schrie aufgeregt: »Hab ich’s doch gewusst! Da kommt er! Und der kriegt natürlich einen Parkplatz! Nämlich den vom Schlüsseldienst. Ausgerechnet! Maxi, schnell«, ihre Stimme wurde schriller. »Ach du Schreck! Seine Unterwäsche! Die liegt noch auf dem Bett!«
Maxi rannte ins Schlafzimmer und brüllte dabei zurück: »Hast du noch einen Müllbeutel?«
»Das vorhin war der Letzte, leider!«
Maxi griff mit einer ausladenden Geste die Unterwäsche und schoss Richtung Wohnungstür. »Mach auf!«
Sarah öffnete mit einer Hand, stellte drei Gläser in den Flur, als sich schon die Haustür öffnete.
Maxi entledigte sich mit einem Wurf der Unterhemden und Slips, die über die Tüten fielen, halb auf dem Schuhschrank hängen blieben oder als weiße Flecke auf dem Boden landeten. Sie drückte ihre Freundin in die Wohnung zurück und knallte die Tür zu.
Da entdeckte Sarah einen Slip, den Maxi in der Diele verloren hatte.
»Oha! Ausgerechnet sein Favoriten-Schlüppi. Er fand immer, sein Prachtstück sähe darin besonders formvollendet groß aus! Weil von diesem amerikanischen Designer! Der stammt aus einer limitierten Kollektion. Schweineteuer war der!«
»Der ist doch hässlich! Welche Frau will denn einen Kerl im Tanga, der Zebrastreifen hat?«
»Er meint, das Muster vergrößert optisch seine Männlichkeit. Nee, das ist falsch ausgedrückt!«, überlegte Sarah. »Er hat wortwörtlich gesagt, dieses Design bringe sein Glanzstück erst zur perfekt vollendeten Präsentation.«
»Ein Zebrawurm also!«, kicherte Maxi. »Du hast folglich öfter mit einem Zebrawurm geschlafen?«
»Hör auf jetzt!« Aber Sarah grinste.
»Hast du eine Schere?«
»Wofür?«
»Gib mir eine Schere!«, beharrte Maxi.
Und dann schnitt sie Patricks Slip in mundgerechte Stücke. »Sein vorwitziges Teilchen kann ich ja leider nicht in verzehrfertige Scheibchen schnippeln.«
»Buäääh! Maxi, das ist eklig! Das ist ja wie in einem schlechten Krimi, wo die Gehörnte ihren untreuen Gatten entmannt.«
In diesem Augenblick hörten sie, wie jemand versuchte, den Schlüssel ins Schloss zu stecken.
Sie schlichen zur Tür. Nach mehreren vergeblichen Versuchen klopfte es. Zuerst normal, dann fordernd.
»Sarah! Mach auf! Ich weiß, dass du da bist!« Patricks Stimme war deutlich verärgert.
Sarah flüsterte Maxi aufgeregt zu: »Das ist erst der Anfang. Der steigert sich gleich!«
Einen Moment blieb es still.
»Sarah! Öffne!«
Maxi äffte ihn flüsternd nach, indem sie die Augen verdrehte: »Sarah, öffne … so ein Spermawürmchen!«
Sarah kicherte und erschreckte gleichzeitig, denn nun wurde heftig gegen die Tür gebollert.
»SARAH! Du öffnest jetzt SOFORT!«
Maxi zeigte ihm von der Innenseite den Stinkefinger. »Ich wette, gleich fängt er an zu betteln.«
Als wenn Maxi hellseherische Fähigkeiten hätte, ging es bereits los.
»Sarah, Love, das kannst du doch nicht machen.« Kurze Pause. »Sarah, bitte, Herz, mach auf!« Kleinere Unterbrechung. »Hey, wir hatten so tolle Zeiten! Verzeih mir!« Ruhe. Dann wurde die Tonart deutlich schmelziger. »Du kannst mich doch mit den Sachen hier nicht sitzen lassen! Mach auf, lass mich rein, komm schon! Wir müssen reden! Wir beginnen noch einmal von vorne.«
Sarah wurde heiß. Diesen einschmeichelnden Tonfall hatte sie so geliebt. Tränen traten in ihre Augen. Maxi ergriff ihre Hand.
»Schon gut!«, flüsterte Sarah.
»Okay okay!«, ertönte erneut Patricks Stimme. »Du hast es mir so richtig gezeigt! Ich leiste Abbitte.«
Nichts rührte sich.
»Mausilinileinchen, komm, ist gut jetzt. Es tut mir echt leid, war total blöd von mir. Du hast mir einen krassen Denkzettel verpasst. Ich schwöre, das passiert mir nie wieder! Denk doch an unsere baldige Hochzeit.«
»Die ist abgesagt!«, schrie Sarah durch die Tür.
Noch nie hatte Maxi in drei Worten so viele verschiedene Bedeutungen erkannt – Entsetzen, Wut, Bedauern, Klarheit, Neubeginn.
»Was machst du denn hier?«, ertönte plötzlich die erstaunte Stimme Patricks.
»Ich wollte mal sehen, ob ich dir helfen kann!«
»Das ist Kira!«, raunte Sarah. »Ich übergebe mich gleich!« Sie steckte sich dabei den Finger in den Mund.
»Psssst!«, mahnte Maxi. »Es wird interessant! Das ist natürlich eine Überraschung, die kein Mann liebt, zumal er gerade bloßgestellt wurde. Hörst du, es geht schon los.«
»Wie solltest du mir denn helfen?« Er schlug erneut gegen die Tür. „SARAH! Dein Verhalten grenzt an Albernheit! Du – öffnest – jetzt – SOFORT!«
»Die ist nicht allein da drin!«, keifte Kira. »Ihre Freundin ist mit dabei!«
»Geh nach Hause, Kira!« Patricks Stimme war nun endgültig entnervt. »Oder … sag mal, kann ich meine Sachen bei dir unterstellen und die nächsten Tage bei dir bleiben, bis ich was Neues habe?«
Das war natürlich nicht das, was Kira hören wollte. »Bis du was Neues hast?«
»Ich finde sicherlich schnell was!«
Maxi flüsterte Sarah zu: »Jetzt hat der unsensible Egoist das Spiel verloren! Welche Frau möchte denn ein durchlaufender Posten sein?«
Und schon gab ihr Kira unbewusst recht. Ihre Stimme war eiskalt. »Wenn das so ist, kannst du ein paar Tage bei mir bleiben. Doch ich habe auch Kosten! Du musst dich beteiligen!«
Dann vernahmen sie ein Scharren und Schleifen. Sarah hatte genug. Sie ging in die Küche und öffnete den Kühlschrank. Ja! Da war sie noch, die Flasche Sekt!
»Los, Maxi, komm! Fertigmachen zum Jubeln!«
Die beiden Freundinnen stießen mit einem Jubelschrei an, der ganz stark an eine beliebte Fernseh-Werbung erinnerte.

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